Meine Oups!-Momente 2023 (für Bilder bitte anklicken)

Teil 1(29.10.2023): Kennen Sie das? Sie betrachten sehr ernsthaft und um kulturelle Fortbildung bemüht einen Tempel/eine gotische Kirche/ein Monument…, drehen sich um und beobachten, wie ihr Reiseleiter während dieser Spezialführung sich angelegentlich und gelangweilt in der Nase bohrt? Das ist dann fotografische Contenance, kein Foto zu machen! Aber es gibt ganz viele Momente auf Reisen und zu Hause, die dieses kleine Oups! im Kopf erzeugen, wahlweise von leichtem Grinsen, allgemeinem Zweifel oder mildem Erstaunen begleitet. Ein Ort in der Welt, an dem mir dieses Gefühl besonders oft aufstieg, war Singapur. Der Kontrast zwischen meinem norddeutsch-karg-miesepetrigen Geschmack und der bunten Material-Unbesorgtheit zum Beispiel des in Singapur ausführlich gefeierten chinesischen Neujahrsfestes war mir eine einzige „Rumoupserei“. Aber in den Gardens by the Bay fand sich ein schönes Bild für dieses erstaunte Gucken: die Grinsekatze! Sie erinnern sich: Alice in Wonderland, dort taucht besagte Katze auf, die die interessante Eigenschaft hat zu verblassen, ihr merkwürdiges Grinsen aber noch lange zurückzulassen. In all‘ dem Hasen- und sonstigen Figurengewusel fiel die Grinsekatze mir auf als gute Erklärung für das Gefühl, mit dem man dort im Flowerdome am Neujahrstag herumstolperte. Dann gibt es natürlich auch viele Momente, die durch die Kombination von Unerwartetem und Wunderlichem zustande kommen, zum Beispiel diese Kuh mit der schlecht gelaunten Taubenfütterin. Besonders ergiebig für Fotos von Oups!-Produkten und Oups!-Läden sind Flughäfen, auf denen ich mich wegen der Wartezeit immer mal gerne herumtreibe. Weil diese Oups!-Bilder oft in der Ernsthaftigkeit „ordentlicher Reiseberichte“ untergehen, habe ich mich nun entschlossen, für ein paar Wochen immer sonntags diese Nebenerzeugnisse auf momos-memos zu veröffentlichen. Gerade gestern auf dem Rückweg vom Lingener Wochenmarkt sah ich dieses winzige Fahrrädchen fest verzurrt an diesem riesigen Laternenmasten….oups! Oups!-Momente 2 (5.11.2023) Komisch, immer wenn ich diesen einen Weg über den Friedhof gehe, muss ich an Lichtenberg denken: „Jeder Mensch hat auch seine moralische backside, die er nicht ohne Not zeigt und die er so lange wie möglich mit den Hosen des guten Anstands zudeckt.“ Quatsch, denke ich dann. Engel mit Hosen? Quatsch…und widme mich anderen Grabsteinen und Gedanken… Nicht immer ist gut gemeint auch gut gemacht, worüber man sich bei religiösen Motiven dann zwar mit Kommentaren tunlichst zurückhält. Trotzdem: meine Kamera hat die Angewohnheit, dann völlig selbstständig die Richtung zu wechseln…was ich da manchmal später für Fotos finde..ist schon merkwürdig.   Jetzt fängt dann auch bald die schöne Zeit an, in der es von geschmackvollen Dekorationsdingen nur so wimmelt. Darauf freu‘ ich mich schon sehr (und werde in Kürze berichten). Im Baumarkt gab es die ersten Vorfreude-Hinweise (eine große deutsche Kaffeefirma macht gerade Reklame mit: 20 % Vorfreude-Rabatt) . Der Baumtransport für unser aller Lieblingsfest ist jedenfalls schon geregelt: Dort fand ich auch individualisierte Zollstöcke, genauer Gliedermaßstäbe. Ich drehte das Karusell, das fein säuberlich nach ABC geordnet war (Dieter allerding beherrscht das Alphabet nicht so gut und hat falsch zurückgesteckt): kein einziger Frauenname! Währenddessen wurden wir von einer sehr kompetenten Dame sehr gut beraten. Ein Gliedermaßstab hatte dann wenigstens die Aufschrift Frauenpower! Na ja…und dazu das übliche Text-Gruselkabinett,  wie Meiner ist…Ich Chef – du nix…ein Kerl wie ein Baum…Schwarzarbeiter!  AUHA!! Einer gefiel mir dann doch: Finger weg! Gesagt!-Getan!….   Oups!-Momente 3 (12.11.2023) Fotto!Fotto! Zu Beginn dieser Bewegung haben wir uns in Europa über die in Rothenburg ob der Tauber einfallenden Japaner amüsiert: Sie polterten aus den Bussen, schauten nicht, nein überhaupt nicht, rissen die vor dem Bauch bammelde Mamya-Kamera hoch und …klack…klack..klack… Heute gibt es verschiedene Ausprägungen des Phänomens. Allen gemeinsam ist eine exorbitante Selbstdarstellungs- und Dokumentationswut (Ich war da!) Das Graffiti oben scheint mir eine gute Versinnbildlichung dieses Vorgangs. Seitdem nenne ich das Phänomen Fotto!Fotto! Wenn man bemüht ist, etwas von der Athmophäre einer Stadt einzufangen (unten Lissabon mit einem Denkmal für die Pflasterarbeiter), kann es so weit gehen, dass man partout nicht das Denkmal selbst vor die Linse bekommt, sondern immer garniert mit Selbstdarstellern. Jeder, der versucht Gebäude, Landschaften, Gärten…zu fotografieren, kennt das lästige Phänomen: Garnitur mit posierenden Menschen aus aller Welt! Die Selfieteritis ist in Asien besonders ausgeprägt, aber auch wir Europäer gehen da gerade auf die Überholspur.       Hier – muss ich gestehen – haben mich neben Fotto!Fotto! die Schuhabsätze interessiert.     Wenn es ans Heiraten geht, sind an allen berühmten Orten der Welt die Fotto!Fotto!-Künstler unterwegs. Fotos sind oft gewollt und erbeten… …manchmal aber nicht so wirklich… Oh du fröhliche! Es kommt – unaufhaltsam – es kriecht aus allen Ecken, es klingelt schon wieder so ein bisschen. Weihnachten schleicht heran auf leisen Sohlen, zuerst wehren wir uns noch ein bisschen („nee, doch nicht jetzt schon Lebkuchen…“), aber dann werfen wir uns in die große sentimentale, süße Welle. Manches ist und bleibt zum Lachen, anderes wird von uns gnädig und mit Kinderaugen wahrgenommen. Es weihnachtet halt…hier ein paar Beispiele aus diesem Jahr (Also sozusagen Weinnachtsnachwehen im Januar 2023) Später mehr aus dem „laufenden Geschäft“. Dieses Exemplar hat nicht gewonnen, ist aber schon bemerkenswert.   Oups!-Momente 5 (4.12.2023) Während ich weiter Oups!-Weihnachtsmomente sammele (den sprechenden Hirschen kennen wir schon zu lange, um ihn noch komisch zu finden), hier noch einmal eine Runde aus dem letzten Jahr. Viele wunderliche Anblicke entstehen nicht sozusagen an und aus sich, sondern durch den Kontext, durch andere Erwartungshaltungen. Ich musste immer wieder über den bunten Blumenschmuck aus Kunsstoff lächeln, wenn direkt daneben bei 30 ° die schönsten Geranien blühten… …wenn glückliche Schweine auf ziemlich viele Schinken von ziemlich toten Schweinen treffen…. …wenn auf Fischmärkten die seltsamsten Tiere herumlungerten, …bewacht (?!) von von den bestgenährtesten Katzen, die ich in ganz Portugal gesehen habe… ..behäkelte, bestrickte, bemalte, beklebte…Häuser… Nach dem Motto: „Kann mich gar nicht entscheiden, ist alles so schön bunt hier!“ (Nina Hagen) Oups-Momente 2023 (6) mit Jahresendgrüßen 😉 Liebe Freundinnen von momos-memos! (23.12.2013, Sie wissen ja: ungerader Tag=weiblicher Plural) Keine Angst! Ich erspare Ihnen und euch die betulichen Worte zum Jahresende, wo gemeinhin verkündet wird, was jede (23.12.) schon weiß: Dass das Jahr bald zu Ende sein wird, das Leben im allgemeinen schwerer, die Kriege bedrohlicher, die Hochwasserpegel höher und die Preise im Lieblingsrestaurant unerschwinglicher. Das und die einschlägig vorbestraften Ursachen brauche ich Ihnen nicht alle um die Ohren zu  säuseln. Es reicht doch gerade! Das Leben ist zwischendrin ja auch mal ganz lustig und hübsch. Klar: All das Ärgerliche, wie politische Unfähigkeit, Ignoranz, schlechtes Wetter, Aggressivität, Krieg, unschmackhafte Küche, meckernde Nachbarn, doofe Kinder…bleibt uns ja erhalten, aber es ist erlaubt, den Fokus auch mal auf etwas Erfreulicheres zu richten. Machen Sie das 2024 immer mal wieder, denn so richtig Tröstliches zu diesem neuen Jahr gibt es gerade nicht zu verkünden. Neben allerlei Tristem bietet diese Jahreszeit ja auch lustige Sachen – wenn man es nicht übertreibt: In den Konsumtempeln der Nation herrscht natürlich Hochbetrieb…. …wenn das eine oder andere geschmacklich vielleicht auch ein bisschen verrutscht wirkt… Also: Bleiben Sie unverdrossen und suchen Sie 2024 das Heitere im Leben, auch wenn es manchmal durchaus abwesend scheint! momo      

Gedanken zur Zeit (für Bilder bitte anklicken)

  Oktober 2021 Jetzt aber doch mal im Ernst. Ein Aufruf zum Leben in der Lingener Innenstadt, der lustig anfängt und mit einem sehr ernsten Appell endet. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, endlich war ich wegen gelungener Selbsthypnose trotz größten Getöses, wie eigentlich immer am Wochenende in der Lingener Innenstadt, ein wenig eingeschlafen, da weckte mich ein lauter Trompetenstoß (oder der eines anderweitigen BLASinstrumentes) und die folgend ebenfalls sehr laut zu hörende Liedzeile: Deine Freundin die kann blasen, die kann blasen, blasen, blasen…deine…. (3 Wiederholungen), die mich um genau 2.02 Uhr mordmäßig wach und mordmäßig wütend machte. An die fortgesetzte Körperverletzung durch nächtliches Getöse vom Skaterplatz oder vom Schulhof gegenüber haben wir uns ja schon ein bisschen gewöhnt, aber jetzt auch noch durch fortgesetzte Geschmacklosigkeit aus dem Schlaf gerissen zu werden …kein Gedanke mehr an Schlaf… Anderntags ging mir die blöde Liedzeile nicht aus dem Kopf und ich schaute nach: Deine Freundin die kann Blasen Die kann Blasen, Blasen, Blasen Die kann Blasen, Blasen, Blasen An den Füßen nicht ertragen Gut, ich musste ganz schön grinsen…reingefallen halt im Halbschlaf. Aber im Ernst: Muss ich als Anwohnerin der Lingener Innenstadt diesen und anderen Blödsinn an jedem Wochenende ertragen? Das Getöse vom Skaterplatz fängt so oft wieder an, wie die Polizei wieder abrückt. Ich rufe schon meist gar nicht mehr an. Bei Regen wird unter dem Vordach der Grundschule gegenüber gekifft, gesoffen und herumgeschrien, dass es keine Chance auf Schlaf gibt. Die Frage, die sich mir allmählich ganz dringend stellt, ist die: Gibt es ein Menschenrecht auf Nachtschlaf, auf den eigenen Parkplatz und auf die Unversehrtheit der eigenen Person in der Lingener Innenstadt? Die Parkschlange der Grundschultaxieltern, die unter unserem Schlafzimmerfenstern mit laufendem Motor auf dem Gehsteig wartet, ist wirklich nötig? Muss ich mich anscheißen lassen, wenn ich meinen eigenen Parkplatz benutzen möchte? Vor einiger Zeit habe ich einmal höflich gebeten, nicht ständig auf dem Gehsteig zu stehen und wurde prompt bedroht von einem erregten Vater, der schöne Worte für mich hatte. Ich will hier von den Erfahrungen der Nachbarinnen gar nicht reden, das würde viel zu lang. Und ich bleibe bei mir als Person: Jede*r, der mich kennt, weiß, dass ich ganz besonders viel für Kinder und Jugendliche übrighabe. Sie sind nicht schuld, wenn ihre Eltern zu faul sind, ein paar Meter zu gehen und dafür sogar die Gefährdung anderer Kinder in Kauf nehmen (die auf dem Gehweg zwischen den Autos herumlavieren müssen). Sie sind auch nicht schuld, wenn der Skaterplatz eigentlich um 20 Uhr (da stand mal ein Schild) geschlossen werden sollte, sich aber keiner (außer den jeweils pflichtschuldigst nach Anwohnertelefonat vorbeikommenden bedauernswerten Polzist*innen) darum kümmert. Regeln funktionieren nur dann, wenn sie durchsetzbar sind, Zusammenleben nur dann, wenn es Möglichkeiten gibt für alle, unbeschadet und in Würde zu leben. Und dafür, dass das einigermaßen funktioniert, sehe ich definitiv die Lingener Politiker in der Pflicht. Schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Lingener Innenstadt bewohnbar wird! Juni 2021 Ohrgewürm Kennen sie das: Plopp, geht im Kopf ein Lied auf und wird dedudelt, immer wieder und wieder? Mein schlimmster Ohrwurm: Nach der Wende fuhren wir im Speckgürtel von Berlin des öfteren zu Hellwegs Profi-Baumarkt, der mir zum Amüsement meines Gatten mit einem ständig sich wiederholenden Kopf-Jingle noch Tage nach dem Besuch dieses Heimwerkerparadieses mein Leben versüßte. Während des Einkaufes von Schraube, Holz und Zement ertönte in besagtem Baumarkt in recht kurzen Abständen (singen Sie mit!) Hell (mit starker Betonung auf Hell) wigs Profi-Baumarkt ta ta ta ta …düdel düdel. Ich will das hier gar nicht so genau aufschreiben, weil ich’s dann wieder 3 Tage nicht loswerde. Im Moment nun ist es Peter Maffey mit Sieben Brücken, ja, über die man gehen muss, dann siebenmal die Asche aber einmal auch der häääle Schain! Wo kommt das bloß her? Auf NDR-Kultur haben sie es sicherlich nicht gespielt, freiwillig würde ich es auch sonst nicht hören, aber es muss vor einigen Tagen von irgendwo fies in mein Ohr gekrochen sein. Es tönt schon, wenn ich aufstehe. Am schlimmsten ist die immer wiederkehrende Schlaufe von manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück. Ich kann es mir nur so erklären: Es lief auf NDR 1, als ich bei der Fußfee saß. Da läuft immer NDR 1 und ich amüsiere mich über die Lieder meiner Jugend. Ich habe es wohl nicht bewusst wahrgenommen, aber nur dort kann es in meinen Gehörgang gekrochen sein. Nichts gegen diesen Song, ist ursprünglich Karat-DDR-Ware, von Peter 1980 dem Westen angedient. Aber eigentlich ist es keine Musik, die ich freiwillig höre – und nun höre ich sie ständig. Nach meiner Erfahrung werde ich die nur wieder los, indem ich einen noch schlimmeren Ohrwurm für eine Zeit zulasse. Da die Firma Hellweg (tatatata…) dankenswerter Weise von der akustischen Folter zurückgetreten ist (und der Hersteller des Jingles ja sicherlich schon länger einsitzt), da die Weihnachtsjingles noch etwas auf sich warten lassen: Weiß jemand einen möglichst blöden und kurzen Song, den er mir vorsingen könnte? So drei- bis viermal? Er hätte bestimmt auch selbst etwas davon! 11. April 2021 Vom Eise befreit…   Also, dieses Frühjahr lässt sich etwas schwer an. Schnee an Ostern, Politiker, die sich nicht entscheiden können, der nächste Lockdown, aber wenig Impfstoff in Sicht und beim Impfen auch keine beeindruckende Geschwindigkeit. Immerhin prophezeit uns Martenstein heute im Tagesspiegel (Tagesspiegel vom 11.04.2021), Deutschland könne doch beim Produktionstempo von Infektionsschutzgesetzverschärfungen (so ein Wort gebiert nur das Deutsche!) und bei den Brotsorten Weltspitze sein. Schwacher Trost! Wenn wir schon nicht ordentlich regiert werden, dann haben wir doch unsere Bildung! Dochdoch! Hier der Beweis: Am Samstag vor Ostern saß ein Gast (Benno) auf unserem Balkon und deklamierte als Dank für eine frühlingshafte Dienstleistung meines Gatten (Oldenburger Spaten schärfen und Stiel in Vorschlaghammer hammern) den Osterspaziergang (Faust I). Also nicht nur die ersten Verse, die kann ja jede, nein das ganze Gerät. Wir staunen. So ist der gute Goethen mir mal wieder in Erinnerung gekommen. Wie aktuell doch dieser Text ist: Osterspaziergang Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; na ja, am Samstag stimmte das noch / Im Tale grünet Hoffnungsglück;/ Der alte Winter, in seiner Schwäche, / Zog sich in raue Berge zurück./ Von dorther sendet er, fliehend, nur / Ohnmächtige Schauer körnigen Eises/nene, am Ostermontag hat es ganz schön geschneit/ In Streifen über die grünende Flur;/Aber die Sonne duldet kein Weißes,/na, es war doch ganz und gar weiß im Emsland/Überall regt sich Bildung und Streben, Ach ja, Schule auf, Schule zu, was denn nu? / Alles will sie mit Farben beleben;/ Doch an Blumen fehlt’ s im Revier, die Blumenläden durften doch grad wieder öffnen / Sie nimmt geputzte Menschen dafür./Kehre dich um, von diesen Höhen/Nach der Stadt zurückzusehen./Aus dem hohlen, finstern Tor/Dringt ein buntes Gewimmel hervor. Dass Goethe das schon 1806 vorhergesehen hat, Lockdownende etwa? Jeder sonnt sich heute so gern. /Sie feiern die Auferstehung des Herrn, /Diesen platten Vers hatte ich glatt verdrängt Denn sie sind selber auferstanden, /Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, /Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, /Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, /Aus der Straßen quetschender Enge, /Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht/Sind sie alle ans Licht gebracht. Kirche ist ja grad auch ziemlich schwierig und sowieso… Sieh nur, sieh! wie behänd sich die Menge/Durch die Gärten und Felder zerschlägt, /Wie der Fluss in Breit‘ und Länge/So manchen lustigen Nachen bewegt, uiuiui, zerschlägt auf bewegt, er hat definitiv gesächselt/Und bis zum Sinken überladen/Entfernt sich dieser letzte Kahn. /Selbst von des Berges fernen Pfaden/Blinken uns farbige Kleider an. Ich höre schon des Dorfs Getümmel; Hier ist des Volkes wahrer Himmel, ach Goethe! Zufrieden jauchzet Groß und Klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein! Na gut denn also! Dass das so oft missbraucht wurde, dafür kann Goethe ja nichts… Danke, lieber Benno für die Osterbildung – nachgereicht. Wenn sonst schon nix klappt…. 25. Februar 2021 Liebe Leser*innen, Leserinnen! Zwei Sätze (oder auch drei, denn ich bin ein bisschen wütend) noch zum Gendersternchen (s.u. 15.1.), weil ich nun doch schon mal drauf angesprochen werde. Zum Mitdenken: Ich bin seit den 70er Jahren eine Verfechterin gendergerechter Sprache, habe mich einige Zeit Luise M. Pusch (dazu ein informatives kurzes Video) angeschlossen und feminin gegendert. Gibt natürlich ordentlich Missverständnisse („Wie? Nur Lehrerinnen angemeldet?“), schöne Gesprächsanlässe („Hätten Sie auch nachgefragt bei 20 angemeldeten Lehrern, warum gar keine Frauen dabei sind…? „Nö, Wieso?“), dann habe ich eine Lösung für mich gefunden, mit der meine soziale Umwelt nach einiger Zeit ganz gut umgehen konnte: An ungeraden Tagen weiblich gegenderter Plural (Schülerinnen), an geraden männlich (Schüler). – Punkt, klappt ganz gut, gibt manchmal auch noch schöne Gesprächsanlässe. Ansonsten am liebsten Plurale ohne Geschlechtsmerkmale (die Lehrpersonen). Dann kam das Sternle und ich habe mich zwecks öffentlicher Sprache (und Schreibe) überreden lassen, mit Sternchen zu gendern. Ich bereue bitter! Das zerhaut Texte, das hilft niemander und niemandem, das ändert nichts an den Realitäten! Nach wie vor werden Frauen in unserer Kultur weniger gesehen, schlechter bezahlt und familär stärker belastet. Dieses affige Sternchen ist in meinen Augen nichts anderes als ein Nebenschauplatz einer gesellschaftlichen Ungerechtigkeit, auf dem Gutmenschen sich ein bisschen tummeln dürfen, Frauen sich ein bisschen besser wahrgenommen fühlen können (echt jetzt, hilft das!?) und dann haben wir schon etwas zu tun, was von den eigentlichen Problemen ablenkt. Das als Schluckauf auch noch gesprochene Gendersternchen hat mich zudem endgültig in die Flucht geschlagen! Ich verlasse diesen „geschlechtergerechten“ Nebenschauplatz nun wieder. Ich mache auch keinen : und Inne auch nicht und stelle nur ab und zu sicher, dass meine Leserinnen (Liebe Leser: heute ist ein ungerader Tag! Das schaffen auch Männer, sich in diesem Plural wiederzufinden!) mich verstehen. Alles klar jetzt?! 24. Februar 2021 Die Post und der Lift Also gut…kein Wort über C. Sie sind das Leid, ich bin das Leid…aber manchmal gibt’s auch komische Sachen. Heute Morgen klingelt die Post, also eine von diesen Nachfolgeorganisationen unserer guten alten staatlichen Post, wo man … also es klingelt natürlich ein Mensch, der einen Auftrag zum Klingeln bei mir hat, weil ich wegen C. etwas bestellen musste, was ich wirklich brauche, aber normalerweise nie … niemals! bestellt, sondern geholt hätte. Da wir ganz oben wohnen und kontaktlose Übergabe in diesen Zeiten (hab nix mit C. geschrieben!) sinnvoll ist, haben wir die Liftmethode erfunden: Es klingelt ein Bediensteter (24.2., wenn sie nicht verstehen, warum hier männlich gegendert wird: zum 15. Januar herunterscrollen) besagter Zustellorganisationen. Er ruft Paket oder im Zweifelsfall die Post oder eine Päckchen oder große Paket! Unsere anfänglichen Versuche mit einem höflich verklausulierten: Würden Sie das dann bitte in den Lift legen? Ich nehme es oben heraus enden mit Schweigen am anderen Ende, dann einem gepressten Jo und das Paket liegt dann sonstwo, im Schnee vor der Haustür, vor der Tür der Nachbarin…wurde wieder mitgenommen… Meine Blitzidee: Es muss an dem unbekannten Wort Lift liegen. Ist ja auch komisch, lift-up, liften als Gesichtsstraffung. Der nächste Versuch dann also: Können sie das Paket bitte in den Fahrstuhl legen? Was ich nicht gesehen habe, unsere wohlbekannte Zustellerin steht unten und sagt etwas pikiert: Ja klar, wie immer, ich drück auf den obersten Knopf. Und: schönen Tag noch! Ich freu mich: Ihnen auch und danke für den Service! Der nächste ist ein indisch aussehender Zusteller, der trotz bitte in den Fahrstuhl oder ist es schwer, dann komm ich runter mit Jo antwortet und eine schwere Weinkiste, die unten bleiben soll, schon eine Treppe hochgeschleppt hat, bis ich ihn von weiteren Taten abhalten kann. Der Mann tut mir Leid, ich gebe ihm etwas Geld und erkläre: wenn Paket schwer, unten lassen und ärgere mich über meine blöde Erklärungssprache. Erinnert mich an diese platte gönnerhafte Gastarbeiteransprache (was für ein Wort!) der 60er Jahre. (Ach ja: Wenn sie dazu etwas wirklich Authentisches lesen wollen: Mely Kiyak, Frausein, München (Hanser), 2020, 18 €) Grammatikalisch einfach, brummle ich beim Weinverstauen vor mich hin, muss nicht wie Idiotensprache klingen und bin mir selbst etwas böse. Heutiger Versuch nun: Eine Paket! –  Ja danke, ist das schwer? –  Schweigen. – Großes Paket? –  Schweigen.- Legen Sie’s in den Fahrstuhl? (langsam und deutlich sprechen!) – welche Stuhl? Also doch besser wieder Lift? 31. Januar 2021 Liebe Leserinnen! (um zu verstehen, dass damit auch Männer gemeint sind, müssen Sie den unten stehenden Beitrag vom 15.1.21 lesen. Keine _ mehr, keine * oder Innen. Ich habe abgeschworen aus feminstischer Sicht!) Luftbaden am Kanal Das  traum-schöne Winterwetter hat heute ganz viele Menschen vor die Tür gelockt. Überhaupt scheint es auch ein paar Tugenden zu geben, die Corona lockt. Draußen tummelt sich ein ganzer Volkssturm von Spaziergängern. Wenn man sich an die halb-vermaulten Familien-Sonntagsspaziergänge erinnert, die in unseren Kindertagen noch manchmal üblich waren, eindeutig eine andere Qualität. Ich hab genau geguckt: Die meisten haben nicht verkniffen, sondern ganz vergnügt geschaut. Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da müssen Psychologen sich findige Tricks ausdenken (Waldbaden, ha!), damit die Menschen überhaupt nochmal den Allerwertesten vor die Tür bewegen, dann kommt so ein kleines Eingesperrtsein (also gut, so richtig lustig ist das nicht!) und schon rennen alle los. Die Wege am Kanal sind zum Teil so belebt wie Straßen…na ja, da ist weniger los im Moment. Vielleicht ist das ja so eine Tugend – ich schlage vor Luftbaden (Spazierengehen ist irgendwie versaut), die ein bisschen zurück bleibt. Wäre doch schön. 15. Januar 2021 Bescheidener Vorschlag zum Schutze der Schreibenden vor dem * (eine Polemik) Oder: Warum Sie das * hier zum letzten Mal sehen! Sie haben auch schon bei mir gesehen, obwohl ich mich mein Leben lang (und das ist schon ganz schön lang!) gegen affiges Rumgegendere gewehrt habe. Gleichzeitig ärgerlich aber auch immer wieder die Tatsache, dass Frauen mit in das generische Maskulinum hineingebuttert werden, also Ärztinnen ein kümmerliches Dasein als die Ärzte führen müssen. Die echten Aufreger für Luise F. Pusch („die Periode ist bei jedem anders“, in einer Tamponbenutzerinnenbeilage) sieht man nur noch selten, aber das allgemeine Herumgegendere mit Unterstrich, Doppelpunkt, Sternchen geht mir beim Schreiben schon ziemlich auf den Zwirn. Besonders wenn dann im Kasus angepasst werden muss („der/dem glücklichen Lehrer*in einer/eines klugen Schüler*in) zerhackt es mir den Text in einer Weise, dass ich nicht mehr weiterschreiben mag. Die Lösung des Online-Dudens, alle Bedeutungen anzupassen (die Lehrer = männliche Lehrpersonen) entspricht nicht (oder vielleicht noch nicht?) dem tatsächlichen Gebrauch. Und was soll der Duden eigentlich? Sprache beschreiben und dokumentieren! Es hat mich beim Korrigieren oft geschüttelt, wenn ich feststellen musste: Der/die Schüler*in darf das neuerdings so schreiben, auch wenn dir dabei zehnmal die Fußnägel hochklappen. Die Logik war und ist die: Wenn eine Vielzahl von Menschen in unserer Kultur das so schreibt, dann sanktioniert der Duden nach einer gewissen Zeit diese Schreibung als zulässig. Nun aber die Abschaffung des generischen Plurals? Im Vorgriff auf eine Entwicklung? Dann bin ich dafür, dass endlich die logisch schlüssigen Vorschläge zur Rechtschreibreform vom Duden sukzessive durchgesetzt werden. Tatsächlich, da gab es mal logisch nachvollziehbare Regelvorschläge, die den Schüler*innen (und Lehrer*innen das Leb*innenJ leichter gemacht hätten). Übrig geblieben davon ist das ss nach kurzem Vokal und das ß nach langem, tatsächlich -außer bei Eigennahmen- ohne Ausnahme – und vorausgesetzt Sie besitzen ein Keyboard mit gr., also deutscher Tastatur. Alles andere hat Bürokratismus und Rumdiskutiererei quasi wieder zunichte gemacht. Allerdings: Die Kommasetzung zum Beispiel beim Erweiterten Infinitiv ist etwas einfacher geworden, man darf tatsächlich auch sinnstrukturierend den Beistrich setzten. Wie schön, das war nämlich der ursprüngliche Sinn der Kommata! (Und ich brauche meinen armen Schüler*innen nicht mehr beibringen, dass der Nicht Erweiterte Infinitiv nicht abgetrennt wird, es sei denn!!, ein hinweisendes es, daran, darauf, dazu steht davor. Ist doch ganz einfach, oder?). Bekloppte Regelungswut, die geeignet war und ist, jungen Menschen die Lust am Schreiben zu versauen! An der Vereinfachung solcher deutschen Regelungswut könnte sich die Dudenredaktion mal beteiligen statt 12 000! neue irrelevante Inhaltsbeschreibungen aufzunehmen. (Rektoren = männliche Personen, die zum Beispiel eine Grundschule leiten mit lauter Lehrern, die weiblich sind?!) Schon: Der Ärger über den generischen Plural begleitet mich seit mindestens 1970 (da fing ich an, allgemeine Sprachwissenschaften zu studieren), aber auch der Ärger über sprachzerhackende, ja was hatten wir denn da so im Laufe der Jahre: LehrerInnen, Lehrer(innen), Lehrer/innen, Lehrer_innen, Lehrer:innen, Lehrer*innen…Wissen Sie, was ich noch am tollsten finde: Einige Sprecher*innen habe es neuerdings drauf, so zu reden, dass sie/er/es/div. das St*ernchen als Leerstelle mitsprechen. Glottal stop nennt man das oder Nullmorphem, gekennzeichnet dadurch, dass dort kurz nix ist. Also zum Beispiel: Künzels(nix)au ist etwas anderes als Künzelsau. Also gut: die Duden-Leute kümmern sich um die in den männlichen Pluralen verpulten Frauen, die Linguisten sind darüber mäßig begeistert, weil Otto und Ottilie Normalverbrauer das eher nicht tut. Meine Lösung dieses Problems ist seit 30 Jahren diese: An geraden Tagen benutzte ich den männlichen, an ungeraden den weiblichen Plural. Also: Zum Beispiel am 14.Januar gibt es die Lehrer (bei denen Lehrerinnen mitgedacht werden müssen) und am 15. Januar die Lehrerinnen (zu denen oft auch Lehrer gehören). Der Sinn? Dieses kleine Stutzen, das bei Lehrerinnen in Ihrem Kopf auftritt (wie, nur Frauen im Kollegium?), bewirkt auf Dauer ein Bewusstsein in eben diesem, dass es eine sprachliche Sauerei ist, dass 20 Grundschullehrerinnen unter dem Begriff Lehrer unterschlupfen müssen, die Rektoren aber niemals unter die Rektorinnen gerechnet würden. So umgehe ich beide Kalamitäten: die immer männlich gegenderten Plurale und das Rumgeeiere mit den Sternchen, das mir die Texte zerschießt. 25. Dezember 2020: Weihnachtsspaziergang am Kanal Alle sagen freundlich: „Frohe Weihnachten!“ Dabei strahlt der Himmel ganz ungetrübt blau und der Wasserturm schaut überall heraus. Dann sag ich auch mal: Frohe Weinachten! Neu: Lesetipp Nr. 20 3. Dezember 2020: Die Kerze Nummer vier! Diesmal kommt die rechte Weihnachtsstimmung nicht so wirklich auf. Was ist den nun besser:  Konsumgerangel,  sentimentales Gedöns, Geschubse in der Parfümerie am 24. Dezember? Darüber wurde ja auch ganz schön gemeckert, über die endlose Folge von Weihnachtsfeiern, das Ich-muss-zu-Oma-fahren und SOS-Geschenke (Socken, Oberhemd, Schlips). Was wollen wir denn nun? Jetzt ist es endlich mal viel ruhiger, keiner muss zu Oma..hoppla aber viele würden gerne…keiner Glühwein bis zum Umfallen auf dem Weihnachtsmarkt trinken…oder doch gerne? Und Weihnachtsgottesdienste? Letzte Woche war ich in der Kirche, weil an Totensonntag die Toten des Jahres abgekanzelt (so schöne Worte hat nur das Deutsche!) wurden. Eine traurige kleine Gemeinde war da zusammengekommen. Der Pfarrer im Kampf mit seiner Maske und und mit schnalzenden Gummihandschuhen, trotzdem irgendwie tröstlich. Für jeden Toten der Gemeinde wird eine Kerze entzündet. Unser Bruder ist die Kerze Nr. 4. Was daran tröstlich ist, kann ich gar nicht einmal sagen. Vielleicht ein Gefühl von Solidarität in der gemeinsamen Erinnerung… So könnte es ja Weihnachten auch sein -mit Kerze Nummer 4 – in kleinen Gruppen. Dieser zweite Lockdown polarisert ganz schön. Die, die vorher böse waren, sind es nun umso mehr, die traurig und einsam waren, ebenfalls. Nähe gibt es aber nicht nur körperlich. Wenn Sie nun  so viel Zeit haben, weil das Einkaufen nicht so wichtig ist: Wann haben Sie denn die letzte Karte, den letzten Brief (ich meine nicht die weitergereichten WhatsApp-Weihnachtsschmarren…) an Tante Eulalia geschrieben? Wer bekommt ein Päckchen von Ihnen? Wer einen Anruf in regelmäßigen Abständen? Das machen jetzt viele, aber viele sind auch müde geworden und wirken verhalten. Machen wir uns auf die Suche, nach gedanklicher Nähe! Nächstes Jahr meinetwegen wieder Glühwein, wenn wir den dann noch mögen…oder rosa Glitter! Nachtrag 4. November 2020 Woher kommt eigentlich der blöde Spruch Schlimmer geht’s nimmer? Doch, doch geht!, sage ich heute. Als der Tagesspiegel heute früh postet: Trump erklärt sich zum Wahlsieger, ist mir schonmal die Petersilie verhagelt. Dann streiten sich in der Lingener Tagespost Schüler*innen und Lehrer*innen, ob sie die Maske im Unterricht abgenommen haben oder nicht und jetzt noch das Dollste des Tages. Da kommt der Gärtner Pötschke daher und schreibt auf das Kalenderblatt des 4. November: Wenn jeder, der sich dieses Jahr über Schnecken geärgert hat, heute um 20 Uhr alle Lampen ausknipsen würde, dann lägen weite Teile Deutschlands im Dunkel. Wenn jetzt die Schnecken-Geschädigten, die Trump-, Corona-Politik-Geschädigten, die Verfassungs-Besorgten und die abgenerven Schüler und Lehrer alle zusammen heute Abend…nicht auszudenken….Achten Sie mal auf heute Abend 20 Uhr! 3. November 2020 Heute passt irgendwie alles. Todestag unserer Mutter, Besuch im Wald, wo alle Bäume gefällt und kleingeknuspert sind (hoffentlich mitsamt dem Borkenkäfer).Herr Weil ermuntert DerWEIL meine Nachbarn, Regelverstöße zu melden, Heribert Prantl (Süddeutsche) findet, die Corona-Bekämpfung sei zu einem Überbietungswettbewerb geworden und ist nicht gut auf Söder und Lauterbach zu sprechen. Letzteren hat kürzlich die ZEIT SPD-Sirene genannt, sich dann aber halberlei wieder entschuldigt, weil er mit seinen Mist-Prognosen auch noch Recht hatte. Sogar Gunter Dueck ist heute geknickt, wie er im DD (https://www.omnisophie.com/realitioten-oder-kassandra-wird-ignoriert/) schreibt. Er will sich nicht mehr auf Twitter sagen lassen, er habe einen Beruf daraus gemacht, irgendwelche Untergänge vorauszusagen. Ein Wort im Titel: Realidioten, wird schon dafür sorgen, dass trotzdem wieder ordentlich emotional rumgeschäumt wird. Aber zur Kassandra möchte ich kurz anfügen, dass die ja sehr wohl wusste, dass sie nicht gehört werden würde. Also wurde sie immer ignoriert. Da gibt`s also grad nichts zu klagen, Herr Dueck! Was aber dieser seit vielen Jahren im DD (Daily Dueck) veröffentlicht (danke für die vielen guten Gedanken, die ich dadurch haben konnte!) ist zumindest in vielen Köpfen angekommen. Jetzt (besonders jetzt!) könnte man geneigt sein, den Vorrat von Vernunft auf der Welt doch für recht begrenzt zu halten. Die einen schreien „alles Unsinn, übertriebene Maßnahmen“, die anderen „alles noch viel schlimmer“. Ordentlich Geld hat uns die Chose auch schon gekostet. Da schaut Gunter Dueck zu Recht auf seinen kleinen Enkel. Der wird’s richten müssen. Ich bin weit weg davon zu sagen: gut, dass wir schon so alt sind. Aber das Privileg, nicht Künstler, nicht Kleinunternehmer zu sein, sondern Pensionärin, schlägt mir grad schon etwas aufs Gemüt. Während ich hier gelassen und brav den November zu Hause Mozart hörend auf dem Sofa verbringe, sind andere in echter Existenzangst. Klar, dass die Verschwörungserzählungen ins Kraut schießen, wenn ich keine rationale Erklärungsmöglichkeit für mein Scheitern mehr finde. Außer vielleicht: politische Willkür, Unfähigkeit, Selbstdarstellung…im schlimmeren Fall boshaft geplante Willkür der Mächtigen, der Großkonzerne, im schlimmsten Falle Leichen im Keller…Wer soll sich da und wie eine abgewogene demokratietaugliche Haltung zulegen? Ein bisschen von allem glauben? Der Hinweis auf die Zeiten der Pest ist schon angebracht, aber auch na ja…immerhin wissen wir mehr über Ansteckungswege. Dass sich damals junge Leute zu wilden Partys in verlassenen Häusern getroffen haben, das hatten wir ja auch – in Berlin und anderswo. Eine Reaktion auf die Irrationalität der Situation? Trotzreaktion? Die Realitätsverweigerer, die die Sau rausgelassen haben (DD) sind vermutlich überproportional am Infektionsgeschehen beteiligt, aber nicht an allen Folgeproblemen. Rationales, abgewogenes und ruhiges politisches Handeln wäre jetzt passend. Verhältnismäßigkeit! rufen jetzt nicht die Realitätsverweigerer, sondern viele, die Erklärungen wollen, die ihre Privatheit gefährdet sehen. Versperrt vielleicht das große Angstmachen gerade den Blick auch ganz vernünftig, also rational eingestellter Menschen? Oder macht sie mutlos? Sie können ruhig mal geknickt sein, Herr Dueck, aber nur heute! Ihre Mahnungen kamen immer argumentativ daher, manchmal mit Humor, gaben Anlass zum Nachdenken, einen anderen Blick auf die Welt…jetzt nicht hängen lassen! Sie wissen doch: Kassandra! Aber wir brauchen Sie trotzdem! Vielleicht haben Sie noch Lust auf was Albernes: (Teil 2 von: Hilfe, meine Uhr erzieht mich) Die Corona-Crackers finden Sie unter literary nightclub