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Kenruku-en

Japan zu Wasser und zu Lande – Nicht direkt ein Reisebericht, sondern eher:

Japan und andere kleinere Erkenntnisse!

Reiseroute zu Wasser: Tokyo, Aomori, Akita, Niigata, Kanazawa, Sakaiminato, Busan (Südkorea), Kitakyūshū, Hiroshima, Kobe, Shimizu, Tokyo; Weiterreise: Tokyo, Kobe, Kochi, Keelung – Taipeh (Taiwan), Hong Kong, Hue – Da Nang (Vietnam), Ho Chi Minh City – früher Saigon (Vietnam), Singapore

Vermerkt mit Datum sind jeweils die Anlandungshäfen, was mit den Besichtigungsorten nicht immer übereinstimmt (Bus ab Hafen).

Ein Land, das angeblich aus mehr als 14 000 Inseln (mit 5 großen Hauptinseln) besteht, vom Meer aus zu erkunden, ist doch eigentlich eine ganz gute Idee. Wir fahren mit der Azamara Journey; los geht’s in Tokyo und erst einmal noch Norden auf der Hauptinsel Honshu nach Aomori.

Nachdem in Istanbul der Himmel voller G…lücksbringer hing…

verabschiedet sich Tokyo eher grau-in-grau

Und: Nachdem das Klappern der Balkonabgrenzung trickreich besiegt wurde, kann’s losgehen…

Abfahrt Tokyo

  1. April Aomori

Iwaki

Wir besuchen die älteste Pagode Japans in Hirosaki (Saishoin Temple) und wundern uns über viele steinerne Hasen mit roten „Lätzchen“. Beim Cosho-ji Temple gibt es ein Kriegerdenkmal, von dem aus der Iwaki mit weißer Mütze grüßt. Überall liegen noch Reste von Schnee, hier im Norden gibt es viele Wintersportgebiete. Eine Dame im service erzählt mir „last cruise“, also Ende März – jetzt ist der 5. April- habe es „buckets of snow“ (Schnee eimerweise) gegeben und auch tagelang noch weitergeschneit. Wir haben schon ein bisschen Sonne und die allerersten rosa Kirschblüten in Aomori. Man sieht den Iwaki (auch Tsugaru Fuji), einen imposanten Stratovulkan (1624,7 m) am Rande der Tsugaru-Ebene sehr gut.

Am Ende der Tour soll es eine Besichtigung einer Sake-Brauerei (Narumi Sake Brewery since 1806) mit Verkostung geben. Die gibt’s aber nicht, stattdessen unsere erste Lektion in japanischer Mentalität. Ein gravitätisch wirkender Einundsiebzigjähriger, der unser Reiseführer ist, ist von der Tatsache, dass es dort wohl eine Verständigungspanne gegeben hat, so betroffen, dass wir eher geneigt sind, ihn zu trösten als uns zu ärgern.

Eisenholzbaumpuschel – genauer: Calliandra Haematocepahala (Tattori Flower Park)

Dieser „Herr“ (ich kann ihn nur so nennen) hat sich wohl breitschlagen lassen, Reiseführung zu machen, weil es nach Corona in Japan offenbar einen echten Mangel gibt. Er wirkt sehr honorig und glaubt Englisch zu sprechen, kann es aber nicht wirklich. Ständig werde ich durch den Rest der Gruppe – Amerikaner und Australier- gefragt, ob ich ihn etwa verstehen könne – auch nicht, denn einen deutschen Akzent hat er nun wahrlich nicht. Dafür aber eine Eigenart zu sprechen, die mir mordsmäßig Spaß macht. Jeweils am Ende des Satzes macht er eine Kunstpause und wiederholt dann das letzte Wort, manchmal die letzte Wortgruppe. Das erinnert irritierend genau an die Sprechweise des Schulrats in der „Feuerzangbowle“. Sie erinnern sich: Diese Pseudo-Lausbubengeschichte, Vorlage von Heinrich Spoerl, Film 1944 mit Heinz Rühmann. Da gibt es so einen ganz und gar knöchernen Oberschulrat (Max Grülsdorff, der Arme musste damals immer die Spießer spielen), der in die lustige Rühmann-Prof.-Cry-Schulstunde zwecks Überprüfung gerät. Er rät den beiden Lehrern sich zu verständigen, wer nun der richtige sei und wiederholt immer das letzte Wort im Satz. „Weitermachen äh weitermachen“. Genauso spricht dieser Reiseleiter, was mir viel Freude bereitet. Die Panne mit der Nicht-Besichtigung macht er später auch nicht zum Thema, sondern schweigt sie weg. Ich denke an meinen allerersten (zu meiner Überraschung lauwarmen) Sake etwa 1976 im Daitokai in Berlin und bin nicht weiter enttäuscht, einige Amerikaner schon. Später (im 2. Teil der Reise) gelingt uns die Besichtigung einer Sake-Brauerei mit kundiger Erklärung.

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Auf dem Schiff wartet eine weitere tiefgreifende Überraschung: Auf Deck 10 wurde der Famous Grouse ausgetrunken (unser Abendritual ist „ein FG with nix!“). Wir werden aber mit J and B rare ausreichend getröstet. Also alles gut – nein, das will ich nicht mehr sagen – wir sind zufrieden.

Hirosaki Kriegerfriedhof mit Iwaki

  1. April Akita

Die Sonne scheint in Akita, ein wunderschöner Park mit vor einer Eisbude Schlange stehenden Japanern lässt uns lächeln, allerdings auch herumschnupfen. Es sind so viele Pinienpollen unterwegs, dass alles grün bepudert wirkt. Die Kois und Karpfen im Wasser um den Park herum verhalten sich wie die Enten am Lingener Kanal. Sie werden offenbar von vielen gefüttert und springen fast aus dem Wasser, wenn man am Rand stehenbleibt.

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Abschied von Akita

  1. April Niigata

    Fußgängerzone Niigata

In Niigata, einer der größten Hafenstädte an der Küste zum japanischen Meer, erwartet uns ein besonders netter Service. Viele Freiwillige geleiten uns nach Wunsch einzeln durch die Stadt und ein junger Japaner erzählt im Shuttle-Bus von Sushi und Sake. Am Ende gibt es im Hafen eine Sake-Verkostung. Ich beginne zu ahnen, dass es tatsächlich große Unterschiede bezüglich dieses Getränkes gibt.

Fast in jedem japanischen Hafen werden wir beim Auslaufen mit irgendwelchen Freundlichkeiten zum Abschied bedacht: herumhüpfende Teenager, würdevolle Geishas, Feuerwerk, ganze Stadtratsversammlungen…alles sehr, sehr nett und freundlich.

Abschied im Hafen von Kanazawa

Ein freiwilliger Helfer bringt uns zum Hakusan-Park und dem Hakusan-jinja Shrine (gewidmet dem Gott der Heirat). Dort werfen die Gläubigen (viele junge Menschen) etwas Geld (eine Münze) in einen Kasten, dann ziehen sie an einer Schnur, etwas bommelt blechern und sie klatschen zweimal in die Hände. Super! Wunsch wird erfüllt! Überall hängen Glückstäfelchen und Glückszettel.

Husan Park Niigata

In dem Park herrscht eine schöne entspannt-sonnige Sonntagsatmosphäre. Die Kirschblüten sind kurz vorm Aufbrechen. Wenn man unter den Toren hindurchgeht, verbeugt man sich vorher und nachher. Machen wir auch, finden das Ritual aber ein bisschen lästig. Zurück geht es durch eine Fußgängerzone, in der aus jedem Haus europäische klassische Musik (Barock, Klassik, Romantik und Impressionismus) ertönt. Das finde ich schön, aber auch ein bisschen verwunderlich. Ich behaupte: Würde man bei uns in der Fußgängerzone traditionelle japanische Musik spielen, würde das Einkaufsvolumen durch Flucht massiv sinken!

Die traditionelle japanische Musik stammt aus buddhistischen Gesängen, aus einem durchdringenden Klang von Trommeln, aus obertonreichen Bläsern, die dem Ohr des Europäers nicht eben schmeicheln. Sie ist auch bei den Japanern wenig populär und wird hauptsächlich für traditionelle Riten genutzt.

Oncidium (Tattori Flower Park)

Bis 1853 hat Japan geschlossene Grenzen, wird dann aber Kolonialmacht (Korea) und sucht sich wie die westlichen Kolonialmächte zu gebärden. Im Zuge der Verwestlichung Japans im 19. Jahrhundert wurde die europäische Kultur geradezu „verordnet“. Bach, Brahms, Beethoven sind seit mehr als 150 Jahren in Japan sehr populär. Beethovens Neunte ist geradezu die heimliche Nationalhymne Japans und darf auf keiner Silvestergala fehlen. Da die traditionelle Musik auch Klänge der Natur und die Vereinzelung von Tönen in Japan bekannt gemacht hat, kommt später die Vorliebe vieler japanischer Komponisten und Interpreten zu impressionistischer Musik hinzu. Debussy, Messiaen, John Cage werden viel gespielt.

Das – und die ungeheure Disziplin der Japaner – erklären das Repertoire vieler japanischer Virtuosen, die durch Europa touren.

Zurück zur Fußgängerzone in Niigata: Dieser unglaublich hilfreiche, höfliche und zurückhaltende Freiwillige, der uns herumführte, sprach erstens gutes verständliches Englisch und gab am Schluss sogar noch ein paar Brocken Deutsch von sich, freute sich schließlich wie Bolle, dass wir ihn sogar verstanden haben.

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Auf dem Schiff hatten wir ein langes wunderbares Gespräch mit einem australischen Ehepaar (beide über 80), die zuletzt 4 Monate im Camper durch Australien getourt sind. Ganz schön taff! Und ungeheuer interessiert an Europa. Sie war einmal in Oberammergau. (Es dauert allerdings mindestens 3 Minuten, bis wir dieses Wort so weit auseinanderklamüsert hatten, dass es von Mrgrwazuwau zu Oberammergau wurde).

  1. April Kanazawa

Kenroku-en

Wir sind mit konstant 14 Knoten unterwegs, der Terminal liegt in Muryojimachi (ja klar!). Von hier geht’s zu einem der angeblich drei schönsten Gärten Japans, dem Kenroku-en. Dort wartet wieder eine Überraschung auf uns. Zuerst aber geht’s zur Burg Kanazawa – oder dem, was von ihr übrig ist. Aber gut rekonstruiert und die Uni Kanazawa residiert hier. Zudem hat Kanazawa ein gut erhaltenes Samurai-Viertel, wo bis heute Samurai-Villen erhalten sind.

Kanazawa geisha district

Alles schön und gut, aber dann kommt der Hammer: Im Kenroku-en stehen die Kirschbäume in voller Blüte! Eine Wolke in zartrosa und weiß. 8. April: was für ein Glück! Der Park muss auch im Herbst sehr schön sein – ach Quatsch, der ist immer sehr schön. Wir sind hin und weg. Die Japaner sind da sehr streng mit dem, was ein Garten so hergeben muss, wenn er berühmt werden will. Es gibt 6 Kriterien, nach denen der Kenroku-en (heißt: kombiniere 6), der Kairaku-en und der Koraku-en als vollkommen eingestuft werden. Das geht zurück auf die chinesische Sung-Dynastie. Da musste ein perfekter Garten folgende Kriterien erfüllen: Abgeschiedenheit, Weitläufigkeit, künstlerische Gestaltung, Bezug zur antiken Tradition, Wasserreichtum und weite Sicht. Die Kriterien sind mir egal, aber der Park ist atemberaubend schön. Breite Sichtachsen, weite Aussichten, gebändigtes Wasser, kleinteilige Aussichten, formell korrespondierende Pflanzen, farblich abgestimmte Pflanzungen…und was die Japaner mit ihren Bäumen machen, kann man für verrückt halten oder sensationell. An denen wird herumerzogen, gebunden, herabgezogen mit Seilen, blättchenweise geschnippelt… ist schon verrückt – und irgendwie auch großartig.

Uniform: Schulmädchen in Kanazawa

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Es sind natürlich viele Japaner und Touris unterwegs, denn diese Kirschblütenshow dauert ja nur wenige Tage. Aber: was uns immer wieder auffällt, es gibt kein hektisches Geschiebe, sondern freundliches Aufeinander-Achten und so regelt sich alles irgendwie entspannt und freundlich wie von selbst. Das ist eine Mentalität, von der wir europäischen Ego-Trampler uns mal eine dicke Scheibe abschneiden sollten. Wir treffen eine Gruppe junger Männer, die uns um ein Foto bitten (natürlich mit den Bäumen im Hintergrund). Nach einem begeisterten Gespräch stellen wir erstaunt fest, dass wir es auch auf deutsch hätten führen könnten. Drei junge Männer aus Deutschland auf der Spur der Kirschblüte! Das ist doch auch einmal was!

Kenroku-en

 

  1. April Sakaiminato (liegt auf der Halbinsel Yurihama, Landzunge, die das Japanische Meer und den See Nakumi voneinander trennt)Am nächsten Tag die Fahrt zum Tottori Flower Park. Der hat 123 Acre und mehr als 1000 Orchideen. Wunderschön! Leider regnet es, aber die überdachten Bereiche (Flower Dome, ich denke an Singapur) sind groß genug. Ganz zum Schluss wird es etwas trockener und wir wandern durch Tausende Frühblüher, sehr viele Tulpen (holländische?-  der Verdacht liegt nahe, denn es gibt auch eine hölzerne Windmühle)

Windmühle, Tulpen und blühende Bäume (Tattori Flower Park)

– und außen auch wieder blühende Kirschbäume!

Tottori Flower Park

Die eigentliche Sensation dieser Tour aber ist die Reiseleiterin. Sie glaubt offenbar, uns unterhalten zu müssen im Bus, weil wir sonst vor Langeweile direkt wegsterben werden. Viele Reiseleiter glauben das, vielleicht hat ihnen jemand erzählt, dass Amerikaner immer beschäftigt werden müssen, weil sie sonst unleidig werden oder sonstwas. Sesamstraße für Erwachsene halt. Da wir in der absoluten Minderheit sind (12 Deutsche auf 643 Amerikaner/Engländer/Australier) verfolgen wir das Schauspiel jeweils amüsiert, erfreut und zugegebenermaßen etwas distanziert. Diese Frau ist ihr eigenes Kasperltheater. Ehemalige Highschoollehrerin für Englisch…ich sage mal (auch wenn ich mich damit selber treffe): einmal Lehrerin, immer Lehrerin!

Abschied aus Sakaiminato

Sie erzählt die Geschichte von den Labbits und sharks. Shark ist Hai, aber Labbits?, hab‘ ich da wieder beim Englischlernen nicht aufgepasst? Ziemlich kurioser Plot: Haie, die eine Brücke bilden, aus Blödheit, um sich zählen zu lassen. Ursprungsfrage: Wer hat mehr Freunde? Der Haupt-Hai oder das Labbit?

Es ist so windig, dass…

die Geisha fast wegfliegt…

aber: Ende gut, alles gut!

Da zeigt sie ein Poster: Rabbit! Karnickel! Die hoppeln über die Haie, angeblich um sie zu zählen, aber in Wirklichkeit wollen sie nur auf die andere Seite des Meeres gelangen. Das Karnickel ist blöd genug, das zu erzählen und der Haupt-Hai zieht ihm vor Wut das Fell über die Ohren. Daraufhin sucht es göttlichen Rat (das mit dem Fell soll ja schließlich nicht so schön sein!). Der erste Gott ist ein Flop, der zweite aber (zuständig für Heilung und Güte) gibt den richtigen Rat. Und: So kommt es zur Gründung Japans! Absolut logisch und folgerichtig, oder? Die Illustrationen, die sie zeigt, sind Japan-style, hübsch und glatt. Diese Frau hat Talent zur Alleinunterhalterin. Später beschäftigt sie uns noch mit Singen und Händeklatschen. Sie war soo süß, aber wir mochten nicht mehr so richtig….

Eine Geschichte hat uns in allen Häfen beschäftigt: Das Phänomen der Jedi-Ritter. Wir haben sie so getauft, weil sie überall auftauchten und mit ihrem Glühschwert in Rot bedeutungsvoll herumzeigten und Situationen meisterten, bei denen es beim besten Willen nix zu meistern gab. Beipiel: EinBus fährt auf einer einzigen möglichen Spur zum Schiff zurück. Garantiert steht an der Ecke ein Jedi-Ritter und wedelt mächtig mit dem Glühschwert, damit der Bus das Schiff nicht verfehlt, ins Meer fährt…? Regelungswut? Beschäftigung von Arbeitslosen? Wir wissen es nicht, aber fanden es immer wieder ziemlich lustig..

Jedi-Ritter und Puschelwinker in Sakaiminato

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Kirschblüte bei Regen (Tottori Flower Park)

  1. April Busan, Südkorea

Zwischendrin ein Abstecher nach Busan zum Haedong Yonggung Tempel (14. Jht. – Buddhistischer Tempel 108 Stufen über dem Meer).

Der liegt wunderschön über dem Meer

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Einer Gottheit, die ihren Zeigerfinger schülermäßig in die Höhe hebt, wird Wasser über die Mütze gegossen (macht auch unsere Reiseleiterin – s. Galerie)

Irgendwie sind die Buddhisten so schön genau mit dem Wünschen. Es gibt klare Zuständigkeiten. So etwas wäre doch bei uns auch sehr gut:

Später zum APEC-Gebäude (Nurimaru APEC House). Liegt auch sehr schön über dem Meer, ist aber nicht ganz so schön wie der Tempel…

Da sind die Damen und Herren, die dort tagten (Asia-Pacific Economic Cooperation summit 2005)

Als auf dem Weg zum Tempel unsere Reiseleiterin von einer roller-coaster-bridge spricht, traue ich meinem Englisch mal wieder nicht so ganz über den Weg (Achterbahn-Brücke?), als wir darauf sind, glaube ich meinem Englisch (Galerie)!

Besonders beim Tempel wird wieder gepost, was da Zeug hält. Ich kann mir den Eindruck nicht verkneifen, dass der große goldene Happy Buddha dazu ironische Kommentare abgibt..

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Die einzigen, die unter Buddhas Lachen Ernst blieben, waren zwei Europäer. Reisestress??

Was schauen die so besorgt?

Der Strand von Busan wird jedes Jahr neu aufgeschüttet. Irgendwo in einem Reiseführer stand, es sei einer der schönsten Strände Asiens…Norderney finde ich schöner…na ja, ist nicht so direkt Asien, oder? Aber Bebauung wird langsam ähnlicher…

Abfahrt aus Busan

  1. April Kitakyushu (Nordspitze Insel Kyushu)

Wer hätt’s gedacht: Ausgerechnet in Kitakyushu!

Kitakyushu liegt auf der Südinsel und ist die nächstliegende Hafenstadt zu Honshu, der nördlichen Hauptinsel. Sie ist traditionell die Brücke zwischen den beiden Hauptinseln. Da die Stadt auch in der Nähe zu China liegt, gibt es eine lange Geschichte als Kohleexportdrehscheibe zwischen den beiden Inseln und China. Das zeigt sich in vielen Gebäuden des 19. Jahrhunderts im Hafen.

So gibt es auch einen alten Bahnhof (Mojiko Station, eröffnet 1.4.1891).

Auf der Suche nach japanischer (!) Schokolade fallen wir über ziemlich viele merkwürdige Produkte. Bekannte Schokis, böse Kekse …

und diese zum Beispiel aus Herford!

Zwei Japanerinnen, die uns die Gebäude (und natürlich die danebenstehenden blühenden Kirschbäume) bewundern sehen, fragen uns mit Gesten, woher wir kommen und finden Germany offenbar ganz toll. Sie weisen auf einige Gebäude hin und rufen dann Sakura! Sakura! Ja klar, haben wir schon gesehen! Unter vielen Verbeugungen gehen sie weiter, tuscheln und kichern dann, kommen zurück und schenken uns jeweils mit einer schönen Verbeugung ein Bonbon. Welch schöne Geste!

Im Hafen von Kitakyushu

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In der Nähe des Hafens wieder das Jedi-Ritter-Phänomen: 1 Baustelle, 2 Arbeiter, 2  Jedi-Ritter, die das Ganze bewachen und regeln.

  1. April Hiroshima

Atomic Bomb Dome.

Unsere Führerin spricht – selbst sichtlich betroffen – vom 6. August 1945. Ihre Mutter hat als einzige der Familie in Japan überlebt – ihr Vater war zu der Zeit in einem Straflager in Sibirien (ja auch nicht gerade toll!). Betroffen schauen wir auf den Fluss, der August 45 von Leichen überquellend gefüllt war.

Viele Memorials in dem anschließenden Park haben Springbrunnen, um die brennende Haut der Erinnerten zu kühlen. Ich denke kurz an die Ruine der Gedächtniskirche am Kudamm in Berlin, das hier muss noch ungleich schlimmer gewesen sein. Aber: Kann man Schlimm messen? Das Friedensdenkmal Atomic Bomb Dome besteht aus den Überresten der damaligen Industrie- und Handelskammer, von der wunderlicher Weise (drumherum war alles dem Erdboden gleich gemacht worden) diese Ruine stehengeblieben ist. Sie wurde lediglich durch Streben etwas stabilisiert und zeigt bis heute den Zustand direkt nach dem Atombombenabwurf.

Um den Dome herum viele betroffene Menschen, einige weinen. Andere machen ihre tourismusüblichen Selfies. Eine junge Frau lässt sich tatsächlich – den Dome im Hintergrund – mit dem per Hand gezeigten Victory-Zeichen ablichten. Ein unangenehmes Beispiel dafür, wie alles – auch das Grauen – zum Tourismusspektakel verkommen kann. Am Abend diskutieren einige Amerikaner darüber, ob Hiroshima und Nagasaki zu rechtfertigen waren und sind. Einer argumentiert mit Pearl Harbour und der Starrköpfigkeit der Japaner. Wir sind nicht einer Meinung…

Auch hier und wie zum Trotz: Die Kirschen blühen wunderschön.

In der Nähe das (rekonstruierte) Hiroshima-Castle, dessen schöne Fassade und Lage ein bisschen tröstend wirken.

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  1. April Takamatsu

Wir haben eine sehr gute professionelle Reiseführerin. Da die englische Lautung den japanischen Sprechwerkzeugen nicht eben entgegenkommt, haben sie sich verschiedene köstliche kleine Sprachticks angewöhnt. Ich stelle mir vor, dass man einen Moment Vorbereitung braucht, um etwas derartig Exotisches wie ein R zu produzieren. Die letzte Reiseführerin sagte jeweils ein kurzes dada in eine kleine Sprechpause, sprach im übrigen gut verständliches Englisch. Diese hier bastelte in die Sprechpausen ein achk mit einem Rachenlaut, den ich im Leben nicht zustande brächte. (ich kriege ja bis heute nicht mal ein ordentliches bayrisches Rollen-R hin).

Bei den Tempeln wird geheiratet, gesegnet und geglückt wie verrückt. An uns kommt eine sehr schöne traditionelle Hochzeit vorbei – auch mit traditioneller Musik. Die ist für europäische Ohren nicht wirklich geeignet. Hörte sich für mich schon sehr gequält an. Umso erstaunlicher die Liebe der Japaner zu europäischer Musik…

Unten am Castle von Osaka fragt uns eine junge Japanerin – sechs kecke Mäuse im Grundschulalter im Schlepptau – ob wir uns von den Kindern interviewen lassen würden. Sie treten einzeln vor und stellen wohleinstudierte Fragen nach Reisegrund, Interesse (bei Mangas mussten wir mächtig passen!) und warum wir überhaupt nach Japan gekommen seien. Da die wahre Antwort zu komplex wäre (und mit dem Tod einer Freundin und der Widmung „a little taste of he beauty of Japan“ von Chuck Cuic zu tun hätte) reden wir uns auf cherry blossom heraus. Das finden sie sehr einleuchtend. Das (einzige) Mädchen in der Gruppe braucht etwas Einhilfe von ihrer Lehrerin, spricht dann aber zwei verständliche Fragen. FottoFotto gehört dann natürlich noch dazu. Ich hätte gerne noch gefragt, ob in Japan hauptsächlich Jungen Englisch lernen, da fällt mir ein, dass viele unserer Reiseführer Reisführerinnen mit guten Kenntnissen und köstlichen kleinen Ticks und Geschichten sind. Im gesamten Park um das Osaka Castle wird gepost, gepostet und geselfied was das Zeug hält.

 

14./15. April Kobe

Von Kobe aus erreicht man viele Japan-Highlights. Und tatsächlich sehen wir vom Hafen Shimizu aus den Fuji gnädig unverhüllt. Später kommen wir ihm mehrfach nahe, aber er macht, was er wohl oft so macht: setzt eine mächtige Wolkenmütze auf!

Wir besuchen den Kotokuin Temple mit dem zweitgrößten Buddha Japans (36 feet) und den Tsurugaoka Hachimangu Shrine von 1192. Mindestens so interessant wie die Kulturdenkmale ist mal wieder unser Reiseführer. Er ist so laut, dass wir ihn im Bus bitten, das Mikro etwas herunterzudrehen. Bei dem aus vielen kleinen Steinen zusammengefügten großen Stein singt er mit überaus kräftiger Stimme die japanische Nationalhymne. Der Text geht auf ein Kurzgedicht aus der Anthologie Kokin-Wakashu zurück. Es heißt:

Kimi ga yo wa

chiyo ni yachiyo ni

sazare ishi no

iwao to nari te

koke no musu made

 

Alles klar?

Na …also gut- grob übersetzt etwa: Eure Herrschaft währe/tausend Generationen/bis ein Steinchen/zum Felsen wird/auf dem Moos sprießt!

Daher der Ort des Gesanges. Das ist doch ein schöner Gedanke!

In der Komachi-dori-street kaufe ich mir einen dunkelblauen Fächer mit der Aufschrift momo und -hier streikt meine Tastatur- auch japanisch momo (besteht aus zwei sehr hübschen Zeichen).

Ein japanischer Pianist des Duos Four Te beim Weltklassik am Klavier-Abend (findet jeweils am letzten Sonntag im Monat um 17 Uhr in der Musikschule Lingen statt) hatte mir verraten, dass momo japanisch Pfirsich heißt. Gefällt mir…

 

  1. April Tokyo

Wir sind umgezogen in eine sehr schöne Schiffsbehausung mit Butler. Der heißt Alfie, ist ca. 159 cm groß und Philippino. Der Frack sieht an ihm wie eine ironische Verkleidung aus. Er ist unglaublich freundlich, hilfreich, ohne im Mindesten unterwürfig zu wirken. Auf die Frage nach Whisky (wir dachten mehr so an ein Gläschen) finden wir nach der Abendmahlzeit einen Liter! Chivas Regal in unserer Behausung. Na denn…

Wenn eine Reise bei Azamara dort aufhört, wo sie angefangen hat (hier Tokyo), kann man back-to-back buchen. Ich habe mich in Tokyo, wo wir einige Zeit entspannt im Hafen lagen – entschlossen wieder Tokyo und nicht Tokio zu schreiben. Am Cruise-Terminal stand in Riesenlettern TOKYO, überall in der Stadt auch. Ehrlich mal: Wenn überall in Berlin BÄRLIN stände, würde ich das auch so machen (wäre ja eigentlich auch viel hübscher;-). Die Inhaber eines Namens müssen ja schließlich wissen, wie der geschrieben wird!

Also, das nennt man booking back-to-back. Es eröffnet ganz neue Perspektiven der Beobachtung. Wenn so ein paar Hundert Leute von Bord gehen und nur 143 bleiben (eben die, die back-to-back gebucht haben), das ist einfach interessant. Das hektische Herunterschlingen des letzten Omeletts „with all“ (darüber muss ich mich sowieso immer amüsieren: was man in so einem Omelett wohl alles so findet? Der Berliner würde sagen „mit allet“). Die Verabschiedung der Gäste voneinander fällt dann so aus, als hätte man eine dreimonatige Polarbezwingung gemeinsam gemeistert. Die Sorge einer englischen Dame, die mit ihrem etwas desorientiert wirkenden Gatten noch drei Tage Tokyo gebucht hat: „I‘m shure, we get lost!“ (ich bin sicher, dass wir verloren gehen werden). Dabei wirkt sie so unglücklich wie überzeugt. Ihre Sorge bezüglich dieses Molochs von Großstadt kann ich teilen, besonders wenn ich das töffelige Lächeln ihres Mannes genauer betrachte.

Der ganze Menschensturm rauscht heraus, es tritt eine merkwürdige Stille wie ein Vakuum auf. Dann rauschen die Teppichmaschinen und wir blicken besorgt unter uns, was das Croissant wohl angerichtet haben mag. Mannschaftsteile werden durchgewechselt, begrüßen sich freundschaftlich. Wir bestellen bei einer Dame, die nicht zuständig und neu ist, probehalber noch einen Americano. Sie macht sich ans Werk. Der neue Coffeebar-Inhaber taucht auf und lacht, sie wisse ja gar nicht, was das sei. Beide lachen. Der kroatische Kapitän wird durch einen italienischen ersetzt, der gerne ein Schwätzchen hält und deswegen nur meterweise zur Brücke vordringt. Am nächsten Tag wird uns klar, dass er wirklich gerne erzählt. Seine tägliche Kapitänsansage („this is your captain from the bridge!”) ist gut 10mal so lang wie die seines Kollegen. Dass ich nur etwa die Hälfte verstehe, liegt vielleicht an meinem unzulänglichen italienischen Englisch.

Gegen 9 kommt eine sehr strenge Durchsage, die klarmacht, dass nun auch die letzten Schnarchhähne von Bord müssen, damit die Crew ihren Job machen kann.

Dann so ab Mittag rauscht die neue Gastwelle herein. Beim Mittagessen prämieren wir schonmal die wahnsinnigste Brille und die lauteste Quakstimme. So ein schöner Clou, wie der Mann mit den knallroten Lackschuhen und Ringelstrümpfen ist leider nicht dabei. Dabei müssen wir uns gegenseitig ermahnen, nicht zu laut zu lästern, denn wir haben noch nicht heraus, ob bei den neuen Gästen Deutsche dabei sind. Amerikaner, Briten und Australier können wir an der unterschiedlichen Lautstärke und der Besteckbenutzung unterscheiden. Auf die Sache mit dem Besteck sind wir gekommen, weil ein Australier uns beim Abendessen erklärt hatte, wir seien leicht als Europäer erkennbar, weil wir während der gesamten Mahlzeit das Messer in der Hand behielten. Alle sind ausgesprochen freundlich und familiär mit dem „bunt gescheckten“ Personal. Gäbe es irgendwo in der Welt auch grüne Menschen, die wären hier bestimmt auch mit in der Crew.

Noch zum 19. April an Bord

Neben uns im Prime C (Steakrestaurant) sitzen zwei Menschen aus Georgia, die sich sehr freundlich mit Vornamen (american way!) vorstellen, die alles mit Freude und Dankbarkeit aufnehmen. Bevor sie anfangen zu essen, sprechen sie gemeinsam und leise ein Gebet. Sie bemerken meinen erstaunten Blick und erklären, sie seien („so gratefull“) so dankbar, dass sie hier sein könnten. Und dann: Der Kongress werde bei seiner Abstimmung die Gelder für die Ukraine freigeben. An diesem Abend war ich skeptisch, ob Mary und Greg mit ihrer Einschätzung Recht hatten. Einen Tag später wissen wir, dass es so war. Und dann erzählen sie noch, dass sie zu Hause Bratwurscht und Oktoberfescht haben („I love it!) und einen Großvater namens Schroeder in Koblenz hatten. Na, kleine Welt!

 

  1. April Kobe

Wir liegen in einem der größten Seehäfen Japans. An der Bucht von Osaka liegt ein riesiger Ballungsraum: Kobe – Osaka – Kyoto. Leider treffen auch 3 Kontinentalplatten dort aufeinander, was mancherlei Erdbeben hervorruft. Das letzte am 17.1. 1995 mit immerhin 7,2 auf der Richterskala. Keine Kleinigkeit, zumal so viele Menschen hier auf einem Fleck leben. Wir gehen im Hafen herum, es wird an das große Erdbeben und an die Napalmbomben der Amerikaner 1945 erinnert. Der Hafen wirkt, wie alle japanischen Häfen und Städte, absolut clean. Ich fotografiere die einzige Zigarettenkippe, die wir auf der ganzen Reise gesehen haben. Ein Mitreisender, der das sieht, äußert die Vermutung, das könne nur einer vom Schiff gewesen sein. Wir grinsen und halten das erstmal für wahrscheinlich!

 

  1. April Kochi

Endlich kommen wir zu unserer Sake-Brauerei Besichtigung (Takagi sakes). Das Geheimnis, wie leckerer Sake entsteht (den auch wir lecker finden) liegt wohl im Schälgrad des Reises (bis zu 70 %) und einer genauen Überwachung der 2 Fermentationsprozesse. Sake passt nicht gut in den Koffer (oder ist dann überall), aber der, der den französischen Preis bekommen hat, wird uns in Europa sicherlich mal begegnen. Richtig lecker – und neuerdings auch kalt getrunken. Für den kaufen wir drei kleine Sake-Schälchen, die ich tatsächlich mit Apple-Pay per Handy bezahlen kann. Kosten 900! Auf der Kreditkartenabrechnung sehe ich: das waren 5,62 €. Milde!

Der Hirome-Ichiba-Market in Kochi ist absolut faszinierend. Das Essen wird an Ständen gekauft (ganz viele nehmen gerösteten Bonito, in einer Art Schiffchen angerichtet) und mit an lange Tische genommen. Sieht aus wie ein riesiges Gemeinschaftsessen und damit Gemeinschaftserlebnis. Und wieder: die Japaner soo freundlich! Ich betrachte eines dieser Essens-Schiffchen genauer, werde gestisch sofort zum Fotografieren aufgefordert (und hätte auch davon essen können, aber so weit wollte ich nicht gehen). Was für eine schöne Atmosphäre! Auf dem umgebenden Sonntagsmarkt bieten die Bauern Obst, Gemüse und Pflanzen an. Vieles recht teuer.

Auf dem Meer

Es wird langsam wärmer und immer wärmer – und immer dunstiger. Unangenehm. Wir schippern auf dem Ostchinesischen Meer. Zwischendrin niederstürzender Tropenregen („liquid sun“, sagt der Käpten, den wir im Fahrstuhl treffen), dann strahlender Sonnenschein. Das Meer aalplatt wie der Gauerbachsee, nur sehr viel wärmer. Abends treffen wir die 25jährige Chiefingeneerin des Schiffes. Sie trägt einen Pferdeschwanz und hat Geburtstag. Der Barpianist stimmt „happy birthday“ für sie an und wir singen – nach Möglichkeit – mit. Sie stammt aus der Türkei und fragt uns, ob wir schon mal dort gewesen seien. „Immer nur auf Durchreise“, geben wir zu Protokoll. Da wissen wir noch nicht, wie spannend sich unser nächster Istanbul-Aufenthalt gestalten wird.

Wir lernen 4 weitere Deutsche auf deren Initiative hin kennen, sehr nett. Sind die (wenigen) anderen in der Nähe, sprechen wir laut englisch. Muss man nicht unbedingt kennenlernen.

Zwei Tage auf See: Da kommt man auf alle möglichen komischen Ideen. Der Wind frischt ein bisschen auf und wir erfinden den Balkonhaarschnitt mit automatischem Haartransport ins Meer. Das geht ganz gut, da mit dem Haarschneider auch nicht so ganz viel Präzisionswerk erforderlich ist. Bisschen schaukelig schon, aber wer kann schon sagen, sein Haarschnitt stamme vom Ostchinesischen Meer?

 

  1. April Yehliu Geo Park (Taiwan)

Sehr bizarr – leider auch sehr nass. Der Markt um den Park herum hat die Zeichen der Zeit erkannt und verkauft wie verrückt bunte Regenmäntel – danke für das schöne Fotomotiv! Der Yehliu-Geo Park liegt sehr schön über dem Meer, die Küste zerklüftet und diese Wahnsinns-Figuren haben sich ergeben aus unterschiedlichen Gesteinshärten. Unser Reiseführer macht sich Sorgen um den Hals der die Königin genannten Figur. Der sieht in der Tat schon recht fragil aus. Sie (die Königin samt Hals) wird deswegen heftig fotografiert. Ist es vielleicht so, dass uns die Dokumentationssucht angesichts angekündigter Vergänglichkeit besonders heftig überkommt? Es wird fotografiert, was das Zeug hält. Die ganze bunte Regenmantelbagage macht sich gut in der bizarren Landschaft.

Auf dem Weg zur Tee-Plantage (Bio-Tee) regnet es immer mehr und dichter Nebel kommt auf. Ist – je höher wir kommen – schon auch ein bisschen unheimlich. Der Weg führt durch eine grau-grüne Vegetationshölle. Beim Tee-Pflücken passen wir (es gießt wie aus Kannen) und genießen stattdessen eine schöne Zeremonie. Die junge Frau („unser tea-master“) wirkt zutiefst gelassen und strahlt große Ruhe aus. Sie erklärt mir, wie man welchen Tee in welchem Gefäß aufgießt. Sie wirkt vollkommen gelassen. Da will ich auch hin!

 

  1. April Hongkong

Die eigentliche Show ist wieder der Reiseleiter. Er heißt Stanley und erklärt uns im Laufe des Tages seine buddhistische Wiederkehrtheorie. Er war einmal ein Fisch (das erklärt, warum er gern und viel trinkt, besonders wenn sein Freund Jonny Walker vorbeikommt). Danach hatte er allerdings das Pech, als armer Reiseleiter in Hongkong wiedergeboren zu werden. Beim nächsten Mal möchte er gerne Rennpferd in Hongkong werden (wir fahren gerade an der Rennbahn vorbei). Grund: Im Sommer, wenn es extrem heiß ist (Juli/ August), gibt es keine Rennen, die Pferde bekommen zu fressen, erhalten Massagen und stehen in gut klimatisierten Boxen. Arme Reiseleiter dagegen müssen in der Hitze besonders viel arbeiten! Aha! Jetzt haben wir seinen Wiedergeburtswunsch verstanden. Wenn er sich dann aber als Rennpferd irgendwann ein Bein brechen werde, werde er erschossen und käme bestimmt als armer Reiseleiter in Hongkong wieder zur Welt.

Derweil regnet es wie verrückt. Wir fahren mit der Tram zum Victoria Peak hoch. Die Tram wurde durch ein Schweizer Unternehmen ganz erneuert, aber die Strecke ist ja dieselbe und führt direkt in – noch mehr Regen und ordentlich Nebel. Null Sicht! Gut, dass wir am Ende unserer China-Reise vor Jahren einmal etwas mehr gesehen haben. Statt der wunderbaren Aussicht auf Hongkong beschäftigen wir uns mit dem Regenschirmtrockner, der in der Lobby steht. Interessantes und sinnreiches Tool angesichts der spiegelblanken Böden! Der Regen- und Nebelfall scheint rein statistisch der häufigere zu sein und Stanley führt deshalb 2 Bilder mit dem Ausblick von hier oben bei sich – zum Fotografieren! Er erklärt uns, er habe auf zwei Dinge im Leben keinen Einfluss: Auf den Schuhkauf seiner Frau und das Wetter.

Stanley Market (tatsächlich!) ist gnädiger Weise überdacht. Allerdings gatscht es ordentlich durch die angestückelten Wellbleche. Die Schuhe sind längst durch nass, die Jeans bis übers Knie.

Bezüglich der nun angekündigten Sampanfahrt im Hafen von Aberdeen kommt keine rechte Freude auf. Von unten, von der Seite nass und nun noch aufs Wasser? Aber das Wunder geschieht: Der Regen hört kurz auf und wir sehen die ungeheuren Kontraste von ungeheuer protzigen Yachten der Reichen Hongkongs zu den ungeheuer verkommenen Hausbooten und Fischerbötchen der weniger Reichen. Die Fahrt durch den Hafen ist in jeder Hinsicht interessant, es kommt sogar ein Hauch Sonne um die Ecke. Am Abend entschuldigt sich Hongkong mit schönstem Sommerwetter und strahlenden Fassaden.

 

  1. April Gespräche beim Frühstück

Zuerst ein sehr distinguiert wirkendes Paar, sie sehr goldbehangen. Wir unterhalten uns über den furchtbaren Regen in Hongkong. Die Liste meiner Total-im-Regen-Orte (Sidney, Yehlin-Geo Park, Hongkong) wird langsam länger. Ich hoffe, ich habe mir an dieser Stelle nicht große Wärme und viel Sonne gewünscht. Die Folgen dieses Wunsches wären böse! Nach diesem Regen-Gespräch gehen die beiden weg und zu meiner Überraschung ruft sie plötzlich – goldbehangen und laut: „Oh I love the coulour of your shoes!“ Ich schaue völlig verblüfft auf meine nicht eben der Eleganz verdächtigen himmelblauen Birkis. Sie trägt Goldsandälchen der teuersten Art. „Meine sind bequemer“, denke ich. –

Als nächstes setzt sich ein sehr blasses Paar neben mich (ich müffele länger an meinem frisch geschnittenen Obst herum). Sie im langärmeligen Trainingsanzug (es sind deutlich über 30 Grad). Sie erzählt, als sie das letzte Mal in Vietnam gewesen seien, habe es 99 Grad gegeben. Ich schaue verblüfft, vermute Fahrenheit und weiß wieder nicht, wie das umzurechnen ist. Und ich habe im Hinterkopf, dass für Da Nang 43 Grad angekündigt sind. Sie rechnet lange (dauert), ich schaue interessiert. Dann kommt das Ergebnis: „Very hot“. Aha! Sie haben vorher in Alaska gelebt und leben jetzt in Florida. Sind also durch nichts zu erschüttern. Das Wetter in Florida ist – wie sie mir versichert – „better for the bones“. Ich glaube, das Wetter im Emsland ist eben nicht gut „for the bones“. Dabei fällt mir auf, dass mir während der gesamten Reise nichts wehtut. Seltsam! Aber was soll man tun? Zurück ins Emsland halt. Und richtig: wenige Tage nach Beendigung der Reise fängt meine Körper-Wetterstation wieder an zu arbeiten.

 

  1. April Südchinesisches Meer

Ein Tag auf dem Südchinesischen Meer. Es wird immer heißer. Fühlt sich an wie eine Waschküche in den 50er Jahren.

 

  1. April Hue (Da Nang)

Mal was Neues: Die Gangway klemmt. Es wird eine local gangway herbeigeschafft und mit einem Autokran angebracht. Da ist es „noch“ 30 Grad, für mittags sind aber 43 angekündigt. Es stellt sich uns die durchaus dringende Frage: Wer wollte hier eigentlich hin?! Und vor allem: Wer in drei Teufels Namen wollte bei 43 Grad eine Rikscha-Fahrt machen?

 

  1. April Da Nang

Die Temperaturen in Da Nang sind wirklich unerträglich. Unser sehr netter und fürsorglicher Reiseleiter parkt uns im Schatten, wo es geht. Er zeigt uns im (klimatisierten!) Bus Videos von der Landung der Amerikaner in der südchinesischen Bucht. Deutlich sieht man dort Frauen mit Blumen die Amerikaner begrüßen. Sie seien manipuliert worden, erklärt er und er wolle sich nun möglichst bei gegensätzlichen Medien informieren. Recht hat er, denn Information und Manipulation liegen oft nur einen Kameraschwenk oder einen blöden Spruch auseinander. Unterdessen fahren wir an einer wunderschönen Bucht entlang, es baden nur wenige, aber morgens und abends sei es dort recht belebt, sagt er. Tolle moderne Hotels wechseln mit verkommenen Buden und Fischerbooten. Die Vegetation ist beeindruckend schön: sehr große blühende Cassien, Frangipani, Hibiskus, Bougainville säumen den Straßenrand.

In Da Nang ist das Cham-Museum (Nachfahren des ehemals bedeutenden Königreichs Champa) sehr interessant. Nach kurzer Zeit suchen alle aber unauffällig nach dem nächsten Ventilator, um sich davor zu positionieren. Es gibt Temperaturen, bei denen Kulturinteressen hinter Überlebensstrategien deutlich zurücktreten.

Vom Cham-Museum geht es per Rikscha (alle Fahrer tragen gelb-bunte Hawaiihemden) sightseeing. Ich bin durchaus besorgt, denn die Zweiradfahrer wuseln millimeterknapp um uns herum. Es wird – wie in vielen asiatischen Ländern – mit der Hupe navigiert. Die Rikscha-Fahrer sind unglaublich freundlich und kurven uns trotz Hitze immer wieder zu Stellen, von denen sie glauben, dass wir sie sehen wollen. Dass ich mich sichtlich über die bunte Vegetation an den Straßenrändern freue, weiß mein freundlicher Fahrer nicht. Er zeigt mir große Brücken, Kirchen, Straßen, Bildschirme, die ich brav fotografiere. Leider haben wir kein vietnamesisches Geld getauscht, was mir sehr leidtut. „Tip!“ funktioniert eben nur bar. Und diesen Fahrern hätten wir gerne zu der Bezahlung von der Company etwas hinzugegeben. Nächstes Mal dran denken!

Anschließend fahren wir – wieder an dieser wunderschönen Bucht mit den blühenden Bäumen entlang – zu den Marble Mountains (Marmorbergen). Ein ganzes Dorf macht hier Marmorstatuen. Ich kaufe für meinen Schreibtisch einen Cristle Marble Happy Buddha. Auch wenn das Material vielleicht weniger kostbar ist als angegeben: Er wird mir Glück bringen und mich an Da Nang erinnern.

Als wir zur Lingh Ung Pagoda hinauffahren, sieht man immer wieder die riesige Quan Yin Statue, die Buddhis Goddess of Mercy. Unser Reiseführer erzählt, dass die amerikanischen Soldaten diesen Berg Monkey-Mountain genannt haben. Ich denke kurz an unseren alten Freund Chuck Cuic, der in den Siebzigern in Vietnam stationiert war. Er schenkte Charly Monecke eines Tages einen ledernen Tabakbeutel (sehr gut schließend) aus Vietnam. Dabei bemerkte er, da sei damals in Vietnam meistens etwas anderen drin gewesen. Und dann noch lapidar: Überhaupt seien sie meistens bekifft gewesen, anders hätte man das gar nicht aushalten können. Ob man danach die Veteranen fragen könnte, die unser Reiseführer heute herumfährt? Es sagt, sie seien ganz besonders interessierte und aufgeschlossene Reisegäste.

 

  1. April

Altern, ein gestalteter Prozess!?

Auf so einem Schiff trifft man unweigerlich auf sehr unterschiedliche Modelle, den Altersprozess zu gestalten und kommt ins Grübeln, zu welcher Kategorie man gehören möchte.

Beobachtungen beim Frühstück: Alte Dame (ca 80) trägt eine pinkfarbene Brille, graue Haare mit einem ordentlichen, (also wohl gewollten!?) Rosaschimmer. Dazu ein rosa Lotterhemdchenkleid, wie ich es mit 17 einmal besaß (damals aus Kostengründen nach Brigitte-Schnittmuster selbst geschneidert). So what? Kann man ja machen, aber schöner wird sie durch dieses rosa Pölterchen nicht direkt. Ihr Gegenüber eine vielfältig tätowierte Dame, deren Tattoos alters- und gewichtsbedingt ziemlich auseinandergegangen sind. Haar kurz, oben blond mit dunkler Untermatte. So what? Ich liebe die Amerikaner. Sie können so einen Wahnsinn immer noch mit Würde tragen. Europäer haben da so einen leichten Hang zur Scham, der den lustigen Auftritt stört. Ein Ami (schlank, gelbes T-Shirt) kommt vom Sport. Er bewundert ausführlich das überaus wild gemusterte Blumen- und Hawaiimusterhemd – das viel Platz hat, sich auf der sehr fülligen Vorderseite seines Gesprächspartners auszubreiten. Ich warte auf Ironie. Vergeblich. Ich glaube, er findet das Hemd einfach schön. So what!

 

  1. April/1. Mai Ho Chi Mingh City (Saigon)

Der Kapitän fährt uns ganz in den Saigon-River hinein. Mangrovenwälder rechts und links. Saigon ist eine schöne Stadt. Wir bewundern, umspült von Zweiradfahrern, die Bausubstanz des 19. Jahrhunderts und lernen, eine Straße selbstständig und verletztungsfrei zu überqueren. Echte Kunst. Im legendären Hotel Majestic (eröffnet 1925) bekommen wir eine wunderbare (klimatisierte) Tea-Time. Notre-Dame (bisschen kleiner als das Original in Paris) ist leider gerade eingehaust. Das Central Post Office von Villedieu ist wirklich schön, der Ben Than Market beinhaltet Furz und Feuerstein. Irgendwann, ganz ehrlich, unterscheidet man nur noch nach klimatisiert nicht klimatisiert

 

  1. Mai Singapore

Singapore, schön wie immer: blühende Bäume und Büsche, cleane Straßen, freundliche Menschen…diesmal ist es hauptsächlich unser Rückkehrort. Nach Istanbul und dann Düsseldorf. Nach langem Flug in Istanbul. Das ist echt ein Flughafen zum Rennen! Weil trotz Koffer-Durchschleifen alle Kontrollen (Uhr ab, Gürtel raus, Devices raus…) gemacht werden, bilden sich so lange Schlangen, dass der Anschlussflug quasi nicht zu schaffen ist. Wir eilen, wir eilen, der Gatte geht noch schnell zur Toilette und ich erhalte am Gate das freundliche Angebot, ich könne allein fliegen oder gar nicht. Als ich schon Holland verloren wähne, kommt eine kleine Reisegruppe aus Ghana angerannt, schreit und macht ein derartiges Theater, dass sie den Bus tatsächlich noch einmal zurückbeordern und wir – wieder rennen!- doch noch mitfliegen können. Danke. Eure Emotionen und das mitgeführte Baby waren in diesem Falle Gold wert.

Später in Düsseldorf stehen wir dann in derselben Schlange: Lost-And-Found-Schalter. Hier gab es jede Menge Lost: sehr viele Koffer waren nicht mitgekommen. Meiner kam 3 Tage später. Musste ja, da war meine Glücksbuddha drin. Wirkt also!